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Faires Handeln & Scheitern in der transkulturellen künstlerischen Zusammenarbeit

Warum wir tun, was wir tun

Seit über fünf Jahren befinden wir uns mit bridgeworks in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess, der von Lernerfolgen, aber auch vielen Momenten des Scheiterns geprägt ist. Bestrebt, möglichst transparent und im Einklang mit ethischen Grundwerten der Fairness (fair cooperation) zu arbeiten, wollen wir uns aktiv gegen eine Hierarchisierung von Kulturen stellen. 

Unser Netzwerk umfasst mittlerweile über 100  Künstler:innen und Kreative aus der ganzen Welt: Musiker:innen, Tänzer:innen, Medienschaffende, Theatermacher:innen sowie Autor:innen, deren grundlegende Denkweise von Weltoffenheit geprägt ist und mit denen wir uns im ständigen Ringen im Sinne der fair cooperation* für eine grenzüberschreitende und gleichberechtigte Vernetzung einsetzen. 

Von der Romantisierung zur Realität, let's face it...

fair cooperation ist in der internationalen und transkulturellen künstlerischen Kooperationskultur trotz vieler Bemühungen noch zu selten Realität. Dies zeigt sich nicht nur in der Besetzung von Jurys und Entscheidungsstrukturen, der Diversität von Personal (auch in unserem Kernteam!), im Publikum und im Programm, sondern auch in Fragen wie:  
 

Wenn wir über Perspektivwechsel, Teilhabe und Umverteilung von Wissen und Macht, aber auch von unserem Publikum sprechen, möchten wir diese Fragen ernsthaft angehen.

Bevor ein neues Jahresthema mit unseren daran geknüpften Partner:innen in die Umsetzung und Öffentlichkeit geht, haben wir schon 1-2 Jahre intensiv mit unseren Partner:innen im In- und Ausland zusammengearbeitet:  
 

Ernsthaft angehen bedeutet für uns aber auch, ehrlich darüber zu sein, dass wir allzu oft an den Ansprüchen einer fair cooperation scheitern. Denn wir als Akteur:innen der freien Szene können zwar häufig flexibel und schnell auf Umbrüche reagieren, sind aber oft gezwungen, aufgrund von Ressourcenknappheit und Förderlogiken schnell und "möglichst einfach" vorzugehen.  

Unsere Idee von fairen transkulturellen Kooperationsbeziehungen, die einen ernstgemeinten Austausch und Perspektivwechsel ermöglichen, ist aber alles andere als einfach. Die Verpflichtung zu einer Kultur der fair cooperation bringt Veränderungen in systemischen und strukturellen Arbeitsweisen mit sich. Sie fordert uns heraus, kontinuierlich neues methodisches Wissen zu besprechen, etabliertes Wissen zu hinterfragen und strukturelle Gewohnheiten zu durchbrechen.  

Hierarchiearme oder vielleicht auch nur hierarchietransparente Räume, behutsame, barriere- und diversitätssensible Arbeitssettings (in Projekten, Besprechungen, Proben und Veranstaltungen) sind ganz im Gegenteil zunächst einmal unglaublich arbeitsintensiv  - sie benötigen Zeit, Aufmerksamkeit und Beziehungsarbeit.